Home > Publications > Würdiger Abschluss der diesjährigen Skitourensaison
18 Rifugio Vittorio Emanuele

Skitourengruppe des DAV Tittmoning bezwingt Ski-Viertausender Gran Paradiso

Tolle Bedingungen fanden die 9 Skitourengeher der Alpenvereinssektion Tittmoning bei der 5-tägigen Runde um den Gran Paradiso vor. Das ursprüngliche Ziel Stubaier Alpen wurde aufgrund des späten Wintereinbruchs  in den Nordalpen kurzerhand nach Süden ins nördlich von Turin gelegene Aostatal verlegt, was sich letztendlich voll auszahlte. In den ersten Tourentagen machte sich die Schlechtwetterfront über den gesamten Alpen im Nationalpark Gran Paradiso in den Grajischen Alpen lediglich durch einen kalten Wind bemerkbar, bei wolkenlosem Himmel, optimaler Sicht und sicherer Lawinenlage konnten die 5 Etappen jedoch von der versierten Gruppe problemlos bewältigt werden. Eine besondere Bedeutung kommt bei der Runde um den vollständig auf italienischem Boden stehenden Viertausender gute Sichtverhältnisse zu, da der Gran Paradiso in abgesetzter Lage südlich des Alpenhauptkammes Blicke auf die höchsten Gipfel der Alpen ermöglicht. Beim Blick nach Norden dominiert die Monte-Rose-Gruppe im Schweizer Wallis mit der Dufourspitze als zweithöchstem Alpengipfel den Ausblick, weiter westwärts ragten Matterhorn, Dente Blanche und Grand Combin aus dem weiten Gipfelmeer hervor, überragt werden die unzähligen Gipfel in der Runde aber vom gewaltigen Massiv des höchsten Berges der Alpen, dem 4.810 m hohen Mont Blanc. Doch nicht nur die grandiosen Ausblicke in die Runde der höchsten Alpengipfel machen die Runde zu einem wahren Schmankerl für Skidurchquerer. Beim Start im wildromatischen Valnontey mussten die Ski noch eine gute halbe Stunde geschultert werden, bald gings aber auf der kompakten Altschneedecke aufwärts zum Rifugio Vittorio Sella, dem ersten Etappenziel. Die erste Herausforderung stellte sich den Tittmoninger Skibergsteigern am nächsten Tag bei der Überschreitung des 3.552 m hohen  Gran Serra-Gipfels. Der Anstieg zu einem der Skitourenklassiker in den Graijischen Alpen erforderte absolute Sicherheit beim Gehen mit Steigeisen im kombinierten Gelände und stellte gleichzeitig eine perfekte Generalprobe für den nächsten Tag dar. Von der 2.750 m hoch gelegenen Chabodhütte nahm die Gruppe bei eisigen Temperaturen den Anstieg durch den spaltenreichen Laveciau-Gletscher in Angriff und erreichte nach 4 Stunden und knapp 1.400 Höhenmetern den 4.061 m hohen Gipfel des Gran Paradiso, der mit seinen bizzaren Felsblöcken und der eindrucksvollen Gipfelmadonna den absoluten Höhepunkt der Skitourenrunde darstellte. Über weite Hänge erfolgte die Abfahrt zum stark frequentierten Rifugio Vittorio Emanuele, dem klassischen Ausgangspunkt zum Gran Paradiso. Bei langsam steigenden Temperaturen konnten die Tittmoninger Skibergsteiger am nächsten Tag den 3.609 m hohen la Tresenta besteigen. Der weitere Weg mit schier endlosen Abfahrten führte durch einsame und nahezu unberührte Täler des ältesten Nationalparks Italiens und zweitältesten in den gesamten Alpen. Mit 1.434 Höhenmetern und fast 20 km Distanz mit schwerem Durchquerungsrucksack erwies sich das Rifugio Pontese auf einem Felsabsatz oberhalb des Lago di Teleccio gelegen als willkommene Herberge. Von der vergleichsweise ruhigen Hütte mit hervorragender italienischer Küche folgte am Abschlusstag die Überschreitung des 3.304 m hohen San-Pietro-Passes mit einer grandiosen Firnabfahrt ins Valeilletal. Nach einem ca. einstündigen Fußmarsch über haushohe Lawinenkegel endete die eindrucksvolle Skidurchquerung in Lillaz im Cognetal, wo die Gruppe bei der Anreise vorsorglich ein Auto für die Rückfahrt nach Valnontey gestellt hatte.

Bericht: Franz Röckenwagner

Bilder: Norbert Knuhr und Franz Röckenwagner