Bergtouren im Karwendel
Das Karwendel ist ein raues, wildes Gebirge und gilt gemeinhin als ein Gebiet der weiten Wege. Für die 14-köpfige Gruppe war dieses Gebiet Ziel der diesjährigen Mehrtagestour.
Schon recht früh begannen wir unsere Fahrt Richtung Innsbruck nach Vomp. Beim Gasthaus Karwendelrast am Vomperberg starteten wir zum langen und einsamen
Marsch durch das Vomper Loch.
Das Vomper Loch ist ein tief eingeschnittenes Tal , wird als Grand Canyon Tirols bezeichnet und gilt als einer der wildesten und abgeschiedensten Winkel im Karwendel.
Die Gruppe wanderte kurz einen Wirtschaftsweg taleinwärts bis nach links der Ferdinand-Kogler-Steig abzweigt , angezeigt durch eine Holztafel die in 3 Metern Höhe hängt.
Dieser kurze Wegabschnitt an der Stupbachquelle mit dem angeblich heilkräftigen Wasser ist nach dem einheimischen Bergsteiger benannt, der diesen Rastplatz mit großer Leidenschaft und Idealismus pflegt.
Weiter ging es auf dem schmalen Steig steil an bewaldeten, teils sehr abschüssigen Bergflanken entlang zur Melansalm, die als Jagdhütte genutzt wird.
In stetem Auf und Ab leitete uns der Pfad durch eine einsame, wilde und rau geprägte Landschaft ins Naßtal, was seinem Namen gerecht wird.
Durch zwei tiefe Gräben wanderten wir nordwärts hinein ins Zwerchloch (Zwerch- bedeutet quer), überquerten den Zwerchbach und überwinden auf der anderen Seite die
„Katzenleiter“. Diese Steiganlage ist aus Holz gebaut mit Drahtseilversicherungen und führte durch eine steile bis senkrechte Wand. Schluchten über und unter uns, Wasserfälle,
Kare und Felsbildungen begleiteten unseren Weg. An einer Wegtafel steht 6 Stunden bis zum Hallerangerhaus. Spannend ging unsere Route weiter, was kommt noch auf uns zu?
Der Weg führte uns immer dem schmalen Pfad folgend nach Westen zur Huderbankklamm und weiter zu einer Brücke die uns über den Ödkarbach bringt. An neuralgischen Punkten gab es Drahtseile oder Trittstufen, meistens bewegten wir uns in steilem Gelände.
Schließlich erreichten wir den weiten mit Schutt bedeckten Talboden in der Au.
Eine heikle Bachüberquerung war unsere nächste Hürde. Durch den starken Regen der vergangenen Tage war dieser Bach sehr breit und eine reißende Angelegenheit.
Mutig hinüber springen? Einige aus unserer Gruppe riskierten es, der Rest zog sich die Schuhe aus und entschied sich für eine tastende Überschreitung. Alle haben ohne größeren Wasserschaden die Querung geschafft und wir erreichten kurz darauf die Jagdhütte in der Au, wo wir eine ausgiebige Brotzeitpause einlegten.
Gut gestärkt nehmen wir unsere letzte Etappe in Angriff.
Der Steig führte uns am Lochhüttl vorbei steil im Wald hinauf und dann durch Schotterfelder. Ab jetzt ging es endlich etwas gemächlicher aber andauernd die letzten 700 Höhenmeter hinauf zum Überschalljoch, unserem höchsten Punkt den wir heute erreichen.
Das Vomper Loch verschwindet aus dem Blickfeld und gigantische Felswände erscheinen. Auf dem Überschalljoch noch einen Blick zurück, bevor es hinunter ging zur gastlichen Hallerangeralm. Auf der Sonnenterrasse der Alm gönnten wir uns noch Weißbier, Kaffee und Kuchen bevor wir unser endgültiges Ziel das nur 10 Minuten entfernte Hallerangerhaus erreichten.
Nach 9 Stunden und etwa 1500 Höhenmeter auf anspruchsvollen Steigen waren alle froh auf das Hallerangerhaus unserem endgültigen Ziel für den ersten Tag.
Der freundliche Hüttenwirt hatte uns schon erwartet und die Gruppe bezog gleich die Lager.Mit einem gemütlichen Hüttenabend ,gutem Essen und Getränken ging ein langer Tag zu Ende..
Obwohl der Wetterbericht für die nächsten 2 Tage bestes Wetter vorhersagte,regnete es am Sonntagmorgen.
Unser erstes Ziel, die Speckkarspitze lag verschneit in tiefen Wolken vergraben.In der Hoffnung auf besseres Wetter machten wir uns nach einem gemütlichen Frühstück auf den Weg zur Bettelwurfhütte.
Bei leichtem Nieseln, Nebel und etwas frisch ging es auf einer Geröllschneise unter den Schnittlwänden entlang und über eine kurze Steilstufe des „Durchschlags“ in eine sanfte Hochmulde die zum Lafatscher Joch führte.
Der Übergang zur Bettelwurfhütte schaute nicht sehr einladend aus. Ohne große Steigungen querten wir riesige Bergflanken des Speckkares und Ab und Zu wurden Tiefblicke Richtung Hall – und Inntal frei.
Zur Mittagszeit erreichten wir mit zunehmenden Regen die Hütte, die perfekt an einer Abbruchkante über dem Inntal thront.Nachdem keine Wetterbesserung für den nächsten Tag zu erwarten war , entschließen wir uns zum Abbruch.
Der kürzeste Abstieg ins Halltal führte uns einige gesicherte Steilstufen den Südhang hinunter, der an manchen Stellen sehr ausgesetzt war und im nassen Fels große Aufmerksamkeit verlangte. Nach dreieinhalb Stunden und 1300 Höhenmeter Steilabstieg haben alle wohlbehalten Absam erreicht.
Mit dem Taxi ging es zurück zum Gasthaus Karwendelrast.
Auch wenn das Wetter nicht ganz mitspielte, schön war`s doch!
Rita Kramhöller