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Eine erlebnisreiche Woche hatten neunzehn Bergsteiger des DAV Tittmoning. Vom Flughafen Barcelona aus fuhren die Teilnehmer mit einem Bus in einer guten Stunde ins Montserrat-Gebirge. Dieses kleine, eigenwillig geformte Gebirge ist auch bekannt durch das „Santa-Cecilia“-Kloster, einer der größten Klosteranlagen Europas. Nach einer kurzen Wanderung und Besichtigung des Klosters ging es abwärts durch viele kleine Schluchten vorbei an interessanten Kletterfelsen bis ins Tal. Im Garten eines gemütlichen katalanischen Lokals wurden die Bergsteiger mit Spezialitäten des Landes verwöhnt.

Am späten Nachmittag ging es weiter mit dem Bus nach Benasque in die spanischen Zentral-Pyrenäen. Am zweiten Tag der Reise nach dem Frühstück und kurzer Fahrt in das Tal „Valle de Benas“ begann der Aufstieg zum „Pico de Paderna“, teilweise weglos. Über blumenreiche, sumpfige Wiesen und steile steinige Anstiege wurde der 2622 Meter hohe Gipfel erreicht. Von hier aus gab es eine gute Sicht auf die Gipfel des nächsten Tages. Nach steilem Abstieg über ein großes Geröllfeld, begleitet von einem Gebirgsbach, und einem Bad in einem traumhaft gelegenen Bergsee erreichten die Bergsteiger das „Refugio de la Renclusa“, das nächste Nachtlager.

Einer der Höhepunkte war die Besteigung des „Pico de Maladeta“, zuerst über einen kleinen Pfad oder weglos  steil aufwärts, dann über Schneefelder und Gletscher bis zum Fuß des Gipfels. Nach kurzer Rast kam die Schlüsselstelle, eine etwa 45 Grad steile Rinne, die unter Zuhilfenahme des Eispickels gemeistert wurde. Dann mußte Blockgelände bis zum 3303 Meter hohen Gipfel überwunden werden. Hinzu kam, dass gerade an diesem Tag starke Sturmböen den Anstieg nicht leichter machten. Die Freude am Gipfel war dann dafür umso größer und so wurde mit Stolz die mitgebrachte bayerische Fahne gehißt.

Nun teilte sich die Gruppe – einige Teilnehmer kletterten zum Teil sehr schwierig über einen Felsgrat Richtung Südosten bis zu einer Schneerinne. In dieser ging es abwärts und dann über Schneefelder und Gletscher auf den circa zwei Kilometer entfernten „Aneto“, das ist der mit 3404 Meter höchste Gipfel der Pyrenäen. Die zweite Gruppe stieg auf dem Aufstiegsweg wieder ab und belohnte sich nochmals  mit einem Bad im schon bekannten Bergsee.

Nach einer weiteren Übernachtung auf dem „Refugio de la Renclusa“ wurde zur Bushaltestelle „La Besurta“ abgestiegen. Auf dem Weg dorthin ging es vorbei an dem sehenswerten Wasserfall „Cascada d‘ Aiguallut“ und gleich anschließend am „Forau d‘ Aiguallu“; dort verabschiedet sich in einer großen Felsenbarriere der kleine Fluß und kommt erst viele Kilometer später in Frankreich wieder zum Vorschein.

Am vierten Tag wurde das Gebiet gewechselt. Mit dem Bus fuhren die Kletterer etwa hundert Kilometer in das Aragon-Gebiet. Von den Gletscher- und Schneegipfeln ging es in die Region der großen Canyons und Bergkessel mit Felswänden, die an die Rocky Mountains erinnern. Auf dem Weg dorthin wurde kurz Halt gemacht und der Ort Ainsa besucht, eine mittelalterliche Stadtanlage der Könige von Aragon. In einem gemütlichen kleinen Hotel im Ort Torla wurde das Gepäck abgeladen. Eine kleine Gruppe fuhr mit dem Bus zurück nach Broto, wo ein spektakulärer Klettersteig auf die Kletterer wartete. Der andere Teil der Reisegruppe suchte sich einen schönen Badeplatz, der bei 37 Grad Celsius eine gute Wahl war.

Am nächsten Morgen überquerten die DSVler den Pass „Puerto des Bujaruelo“, die spanisch-französische Grenze. Diese sehr lange, tagesfüllende Wanderung endete im französischen Ort Gavarnie. In einer netten kleinen Pension lernten die Bergsteiger die gute französische Küche kennen. Sehr früh am Morgen hieß es „Aufstehen!“ und es wurde mit einem Taxi auf einer Paßstraße bis kurz unterhalb des „Puerto de Bujaruelo“ gefahren. Hier begann eine sehr lange Tagesetappe mit steilem Aufstieg über Schneefelder und Bäche, zuerst vorbei an dem wunderschön gelegenen „Refugio de Sarradets“ und weiter über Schneefelder zum bekannten sagenumwobenen Wahrzeichen der Zentral-Pyrenäen „Brecha de Rolanda“, auf Deutsch die Rolandscharte. Das ist ein riesiger Felsdurchbruch und zugleich Grenzübergang der spanisch-französischen Pyrenäen. Nach einer Pause teilte sich die deutsche Gruppe erneut – ein Teil stieg zum nahe gelegenen „El Tallon“, ein 3144 Meter hoher Grenzberg, auf, der Rest der Gruppe stieg wieder im spanischen Teil zur „Faja de las Flores“ ab. Dann wieder gemeinsam wurde diese absolute Traumtour begangen. In großer Höhe, über den Talgrund, läuft das verwegene Gesimsband durch die vertikalen Wände der „Punta Gallinero“ mit berauschenden Ausblicken weit über  das Tal hinaus, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit waren hier Voraussetzung. Nach einem nochmals schwierigen und langen Abstieg mit teilweise leichter Kletterei hatten sich die Bergsteiger ein erfrischendes Bier im Hotel redlich verdient. Sie bedauerten am nächsten Tag den Abschied von den Pyrenäen. Mit einer Stadtführung in Barcelona endete ein sehr schönes Bergabenteuer der Tittmoninger DAV-Gruppe.

Christina Waldherr