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Erster Tag:  Am 11. August, um 5 Uhr in der Früh starteten 4 Bergbeißer in Richtung Brixen, um dort einige Pässe unter die Reifen zu nehmen. Die Anfahrt erfolgte noch bei Regen. Aber glücklicherweise besserte sich das Wetter südlich des Brenners.

Nachdem nach dem Einchecken im Milander Hof noch ein ausgezeichnetes Frühstück auf uns wartete, brachen wir zu unserer ersten Tour auf. Die Wettervorhersage für unsere Route war zwar nicht allzu gut, aber unser Drang nach Kilo- und Höhenmetern war mächtiger.

Aus Brixen heraus ging es stetig leicht bergan, bis zum Eingang des Pustertales. Anfangs noch auf der sehr stark befahrenen Hauptstraße, später auf einem schönen Radweg. Über Mühlbach und Kiens erreichten wir Montal. Onach war die nächste Ortschaft, bevor uns ein Hindernis aus Holzzaun und einer größeren Ladung Kuhmist die Weiterfaht nach Zwischenwasser verwehren wollte. Nach Rückfrage mit „Ureinwohnern“ umtrugen wir das Hindernis und erreichten über Antermoja das Würzjoch, den höchsten Punkt unserer heutigen Tour. Kurz vor dem Gipfel erwischte uns ein leichter Schauer, der aber oben schon wieder vorbei war.

Es folgte eine lange Abfahrt nach Lüsen, auf einem nicht immer komfortablen Straßenbelag. Von dort aus radelten wir die angesammelten Höhenemeter wieder bergab zu unserem Quartier, in Erwartung eines guten Abendessens und der Vervollständigung der Gruppe am Abend. 90km und 2200hm konnten wir auf unserer „Einrolltour“ verbuchen.

 

Zweiter Tag: Nachdem sich die Gruppenstärke am Abend zuvor auf sieben Radler erhöhte, starteten wir vom Hotel aus in Richtung Bozen. Auf dem Eisacktal-Radweg ging es flußabwärts bis Blumau. Dort verließen wir das Tal und auf einer serpentinenreichen und steilen Straße gewannen wir rasch an Höhe. Blicke nach unten zeigten immer wieder die gewaltig verdichtete Verkehrs-Infrastruktur aus Brennerautobahn, Bundesstraße und Eisenbahn. Über Steinegg erreichten wir auf 1350m Seehöhe einen Paß, dessen Namen wir nicht kannten. Einheimische Radler klärten uns auf, daß dies der Kohlenpaß sei. Noch nie davon gehört, aber wieder oana mehra!

Nach einer längeren Abfahrt führte uns die Straße über Birchabruck zum Lavazepass hinauf. Mittlerweile war es ordentlich heiß geworden und der Schweiß floß in Strömen. 1000hm am Stück, das war wieder mal eine Ansage! Die Abfahrt ins Trentino war aber wieder eine wohlverdiente Belohnung, auf die aber sofort wieder ein Anstieg der „boanigeren“ Art erfolgte: hinauf zu Alpe Pampeago, einem sehr bekannten Zielort des Giro d‘ Italia. Doch an diesem Zielort war noch nicht aller Tage Abend, denn es ging gleich weiter zum Reiterpaß. Die daraufhin folgende, natürlich wieder genußreiche Abfahrt führte durch Obereggen wieder nach Birchabruck, von wo aus die Auffahrt zum Karerpaß gestartet wurde. Langsam kroch auch die Müdigkeit in die Knochen und am Karersee vorbei waren alle froh, nicht mehr zur Paßhöhe zu müssen, sondern vorher zum Nigerpaß abzweigen zu können. Was dann folgte, war an Genuß nicht mehr zu überbieten: eine 1400hm-Abfahrt zurück nach Blumau, über Sankt Zyprian, Tiers und Oberaicha zurück nach Blumau.

Auf dem Eisacktalradweg radelten wir dann wieder zurück zum Hotel wo der Wirt uns trotz einbrechender Dunkelheit noch ein Abendessen servierte. 170km und 4100hm waren die stolze Bilanz des Tages.

 

Dritter Tag: Eigentlich sollte nach einem Tag wie dem gestrigen, Ruhetag angesagt sein, aber er verlief wie folgt: Gestartet wurde wieder auf dem Eisacktal-Radweg bis Bozen. Nachdem wir die Stadt durchquert hatten suchten wir den Etschtal-Radweg und bewegten uns etschaufwärts. In Lana wurde, nach dem „Überfall“ auf eine Bäckerei der Aufstieg ins Ultental in Angriff genommen. Sankt Pankraz, am Zogler Stausee vorbei durch diverse Tunnels über Proveis nach Laurein waren die nächsten Stationen. Dort ließen wir uns im Wirtshaus Stern kulinarisch verwöhnen. Nach dem Essen führte der Aufstieg weiter zum Brezer Joch. Bei weiter angestiegenen Temperaturen und im „Verdauungsmodus“ keine leichte Sache. Anschließend wurden wieder fleißig Höhenmeter verschenkt, um über Salobbi und Castelfondo, Fondo zu erreichen. Also wieder bergan, um noch den Mendelpaß zu bezwingen und die zig Motorradfahrer, die uns umschwirrten, einfach zu ignorieren. Nach kurzer Verschnaufpause wieder eine Traumabfahrt: über 1000hm runter in den Glutofen Bozen. Die Sonne hatte den ganzen Tag über ganze Arbeit geleistet, während wir oben in der „Sommerfrische“ herumradelten. Ein bißchen war dann doch noch Ruhetag, denn wir sparten uns den Radweg nach Brixen und fuhren mit der Bahn zurück, nicht ohne noch eine Belehrung des Zugschaffners über richtiges Entwerten des Fahrscheines zu erhalten. 155km und 2700hm standen an diesem Tag zu Buche.

 

Vierter Tag:  Nachdem uns unsere Spätankommer am Vorabend wieder verlassen hatten, ging unsere Abschlußfahrt eisackaufwärts nach Sterzing. Ein ab Franzensfeste schöner, aber anspruchsvoller Radweg führte uns dorthin. Dort startet auch die Penser-Joch-Straße mit anspruchsvollen, aber landschaftlich reizvollen Ausblicken auf das unten verlaufende Eisacktal. Allerdings waren auch hier wieder ca. 1300hm am Stück zu überwinden. Aber die Temperaturen waren nicht ganz so kraß wie an den Vortagen und a bisserl soids scho a weh doa, oder? Mit 2211m war das Joch auch der höchste Punkt unserer Südtirolrunde. Die folgende Abfahrt in das Sarntal war wieder ein Hochgenuß, welcher nur durch den heftigen Gegenwind etwas geschmälert wurde. Nach der Mittagspause in der Nähe von Sarnthein kam weiter unten der Schock: aus einer nicht enden wollenden Abfahrt der Übergang in die Auffahrt nach Klobenstein auf den Ritten. Einige Abschnitte mit 16%-Steilstücken saugten die Kraft aus den Waden. Die Belohnung dafür waren aber traumhafte Ausblicke von dort oben auf das untenliegende Eisacktal und auf der anderen Talseite auf Rosengarten, Latemar und Schlern. Lengstein, Saubach und Barbian wurden durchfahren, ehe es von Vilanders wieder abwärts ging nach Klausen. Der uns schon bekannte Radweg führte uns wieder zurück nach Brixen. 140km und 3100hm waren das Ergebnis eines wunderbaren Radltages.

Bericht: Wolfgang Erler     Photos: Sepp Schneider